Gedicht von Dr. med. Peter Brauer – Das Post-Polio-Syndrome

Das Post-Polio Syndrome

 

Ein Mensch, der einst an Polio war erkrankt,

nach vielen Jahren wieder bangt,

weil ihn erneut an manchen Tagen,

Symptome wie von damals plagen.

Er war bisher doch fast gesund,

und sieht dafür jetzt keinen Grund.

Die Folge ist ein endloses Wandern,

von einem Facharzt zu dem andern,

denn keiner dieser Koryphäen,

kann so ein Krankheitsbild verstehen,

weil nach den Laborbefunden,

alles scheint wie bei Gesunden.

Unglaubhaft erscheint die Pein,

in seinem Muskel und Gebein.

Er, ja ist es denn zu fassen,

muß Simulant sich nennen lassen.

Schon an ganz normalen Tagen,

fühlt er sich total erschlagen.

Nach dem Befinden dann gefragt,

ist er wohl meistens streßgeplagt.

Erschöpfung macht ihm sehr zu schaffen.

Auch kann er nicht mehr richtig schlafen,

denn die Luft wird häufig knapp.

Am Tag ist er dann müd‘ und schlapp,

wagt kaum es sich noch aufzuraffen,

das Pensum wie gewohnt zu schaffen.

Doch die Luftnot, ohne Frage,

hat er häufig auch am Tage,

ohne sich groß anzustrengen.

Der Brustkorb scheint sich zu verengen,

und, wie sollt‘ es anders sein,

der größte Raum wird dann zu klein.

Manchmal im Vorübergeh’n,

bleibt des Nachts die Atmung steh’n.

Ganz bedrohlich wird es dann,

wenn er nicht mehr atmen kann.

Wie man zudem nicht selten hört,

ist das Schlucken auch gestört.

Gott sei Dank wird kaum geklagt,

dass das Sprechen leicht versagt.

Ein Gefühl lernt er nun kennen,

als ob Haut und Muskeln brennen.

Ihm ist, als müsste er zerspringen.

Nichts könnte Linderung da bringen.

Schafft jeden Weg mit Ach und Krach,

denn die Kräfte lassen nach.

Selbst auf kurzen kleinen Treppen,

kann er sich nur mühsam schleppen,

trotz Gebrauch von Stock und Krücken.

Oft kann er sich nicht mehr bücken,

ohne dabei hinzufallen.

Und das größte Kreuz von allen:

Neue Lähmung an den Beinen.

Dabei will ihm sogar scheinen,

daß an den sonst stets gesunden,

Muskeln Schwächen sich gefunden.

Was er oft mit links geschafft,

dazu fehlt ihm jetzt die Kraft.

Tätigkeit, selbst die im Sitzen,

bringt ihn fürchterlich ins Schwitzen.

Schmerz in Muskeln und Gelenken,

beginnen ihn stark einzuschränken.

Auch mit argen Muskelkrämpfen,

hat er jetzt gehäuft zu kämpfen.

Schon kann er an manchen Tagen,

Kälte nicht mehr gut vertragen.

In nicht gar geringen Fällen,

werden auch die Beine schwellen.

Alle diese Krankheitszeichen,

wollen absolut nicht weichen.

Das Syndrom wird kurzerhand,

PPS einfach genannt.

Mit der Vielzahl von Symptomen,

hat PPS kein gutes Omen.

Wer dies alles hat vernommen,

könnte wirklich Angst bekommen,

wenn unerklärliche Beschwerden,

erneut zur Lebenskrise werden.

Ein Trost doch für den Fall des Falles:

Man kriegt meist einiges, kaum alles.

 

Gedicht von Dr. Peter Brauer, Herausgegeben in den „Polio Nachrichten“ vom Bundesverband Poliomyelitis e.V. (Sonderausgabe) in Oktober 2006